Was trägt, wenn das Leben ins Wanken gerät?
Männergottesdienst in Illertissen feiert zehn Jahre Männerarbeit
„Es trifft uns ins Herz“ – unter diesem Motto stand der diesjährige Männergottesdienst am 18. Oktober in der evangelischen Christuskirche Illertissen.
Männer aus Illertissen, Dietenheim und Vöhringen hatten gemeinsam einen Gottesdienst gestaltet, der sich mit einer Frage beschäftigte, die wohl jeden Menschen irgendwann bewegt: Was gibt uns Halt, wenn Sicherheiten wegbrechen und das Leben anders verläuft als geplant?
Schon der Einstieg machte deutlich, worum es ging. Vier Männer schilderten typische Situationen aus ihrem Alltag: Verantwortung im Beruf, Erwartungen in der Familie, persönliche Krisen und die Erfahrung, nicht immer alles im Griff zu haben. Männer sollen funktionieren, stark sein und Entscheidungen treffen. Aber was geschieht, wenn sie selbst an ihre Grenzen kommen?
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand ein ungewöhnliches Symbol: ein großes Holzkreuz und zahlreiche hölzerne Gewindebolzen. Jeder Gottesdienstbesucher hatte beim Eintreten einen solchen Bolzen erhalten.
In vier kurzen, aufeinander aufbauenden Predigtimpulsen griffen Werner Mörwald, Hans Haller, Ralf Diegritz und Pfarrer Daniel Städtler dieses Bild auf. Ein Bolzen kann große Lasten tragen – allerdings nur, wenn er fest verankert ist. Und selbst der stärkste Bolzen nützt wenig, wenn der Untergrund keinen Halt bietet.
Anhand verschiedener Bibeltexte gingen die vier Männer der Frage nach, worauf wir unser Leben bauen. Beruflicher Erfolg, Gesundheit, Familie und eigene Fähigkeiten sind wichtig, aber nicht unveränderlich. Der christliche Glaube bietet eine andere Grundlage: die Verbindung mit Jesus Christus und das Vertrauen auf seine Liebe. Sie trägt auch dann, wenn die eigene Kraft nicht mehr ausreicht.
Aus vielen einzelnen Verbindungen wurde schließlich ein gemeinsames Zeichen. Die Gottesdienstbesucher waren eingeladen, ihre Holzbolzen selbst in das große Holzkreuz einzuschrauben. So entstand nach und nach ein eindrucksvolles Bild: Jeder Bolzen hatte seinen eigenen Platz, aber alle waren mit demselben Kreuz verbunden. Ein Symbol dafür, dass der Glaube Halt geben kann und Menschen in der Gemeinschaft einander tragen.
Neben den biblischen Impulsen bot der Gottesdienst auch Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und persönliche Erfahrungen auszutauschen. Moderne geistliche Lieder, Gebete und Zeiten der Stille ergänzten die besondere Gottesdienstgestaltung.
Ein weiterer Höhepunkt war der Rückblick auf zehn Jahre Männerarbeit in Illertissen. Was 2016 nach einer Männerwerkstatt mit einer Initiative von Werner Mörwald und Ralf Diegritz begann, hat sich über die Jahre zu einer lebendigen Gemeinschaft entwickelt. Später kamen die Zusammenarbeit mit Dietenheim und schließlich die Verbindung mit der Männergruppe „Männerleben“ aus Vöhringen hinzu.
Pfarrer Daniel Städtler würdigte dieses Engagement und dankte den Männern, die die Entwicklung über die Jahre mitgetragen und gestaltet haben. Als Zeichen der Anerkennung überreichte er kleine Geschenke. Jürgen Bannwitz nahm die Ehrung in Vertretung von Willy Paal entgegen
Der Blick richtete sich aber nicht nur zurück. Gerade angesichts der bevorstehenden engeren Zusammenarbeit der evangelischen Kirchengemeinden in der Region zeigt die Männerarbeit, wie Gemeinschaft über Gemeindegrenzen hinweg wachsen kann. Entscheidend ist dabei weniger, woher jemand kommt, sondern was Menschen gemeinsam bewegen können.
Zum Abschluss konnten die Gottesdienstbesucher einen Holzkreuz aus Bolzen und Querbalken mit nach Hause nehmen – als Erinnerung an die Botschaft dieses Vormittags:
Wir müssen nicht alles aus eigener Kraft tragen. Entscheidend ist, worin wir verankert sind.







